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Der Familienname Ziegenfuß, (im amerikanischen auch Zickefoose, Sigafoes, Sickafaus, Zeigenfuse usw. geschrieben), lässt sich bis ins 15. Jahrhundert zurückverfolgen. Er ist ein relativ seltener Name, der in Deutschland insgesamt ca. 200 mal, vor allem im Ruhrgebiet, Castrop-Rauxel, im Eichsfeld und im Odenwald auftritt.


Bedeutung Edit

Die ursprüngliche Bedeutung des Namens ist nicht eindeutig. Es gibt verschiedene Ansichten hierzu.

  • Einige Etymologen deuten die Vorsilbe Ziegen- in Familiennamen wie Ziegenfuß, Ziegenbein, Ziegenhals etc. in der Form von dürr, dünn, etc. Wahrscheinlich hatte der erste Träger des Namens dünne, eventuell auch weißliche Beine, so dass er mit diesem Übernamen belegt wurde und ihn als Familienname an seine Nachkommen vererbt hat.
  • Eine andere Ansicht vertritt der Onomastiker Prof. Dr. Udolph, dass ein Vorfahre einen Klumpfuß hatte, der ja nach Form der Fehlbildung dem Paarhuf einer Ziege ähneln konnte.[1] [2]
  • Laut Frau Dr. Sabine Ziegler, Sprachwissenschaftlerin der Uni Jena, beziehen sich "in älterer Zeit die Belege von "Ziegenfuß", "ziegenfüßig" entweder auf echte Ziegenfüße oder auf den Teufel, auf Satyre, Faune oder Pan. Zu der Verwendung als Personenname sehe ich dann zwei Möglichkeiten: Zum einen, dass die betreffende Person eher ziegenartig (irgendwie staksig) gelaufen ist, wahrscheinlich auf recht dünne Beine bezogen. Oder - und das ist dann weniger nett - dass die Person zusätzlich noch einen verschlagenen Charakter hatte und man auf indirekte Weise darauf verweisen wollte - so ist der Mensch eben ;-) Da es aber auch den Namen "Ziegenbein" gibt, ist womöglich doch die erste Annahme vorzuziehen. Ich befürchte, genauer wird man es wohl nicht rauskriegen können."[3]
  • Im "Deutschen Namenslexikon" von Hans Bahlow wird der Name Ziegenfuß wie auch die ähnlich klingenden Namen Ziegenbein, -bart, speck und -hals als Spottname gedeutet.
  • Gottschald bezieht sich in seinem Werk Deutsche Namenskunde auf den Familiennamen Sigifuns und vermutet, dass Ziegenfuß davon abgeleitet sein könnte.
  • Im Brechenmacher wird sowohl auf das böhmische Dorf Ziegenfuß als auch auf den Spruchdichter Burkhard Ziegenfuß verweisen und Ziegenfuß als Übername gedeutet.
  • Maas erwähnt in seinem Buch Von Abel bis Zwicknagel zwar nicht den Namen Ziegenfuß, jedoch den Familiennamen Zehfuß, den einige Mitglieder der Odenwald-Linie noch heute tragen, und deutet "... eindeutig die Entstehung des Übernamen nach einer körperlichen Missbildung an."

Herkunft Edit

Genealogische Forschungen ergaben folgende Ergebnisse:
Der Ursprung aller Linien liegt wahrscheinlich im oder in der Nähe des thüringischen Obereichsfelds. Dort werden etliche Namensträger in Urkunden der Reformationszeit genannt, z.B. 1525 Claus Zcegenfoeß als Geschädigter bei der Einäscherung des Klosters Beuren durch aufständische Bauern im Bauernkrieg. In den Türkensteuerlisten von 1542 und 1548 tauchen weitere Namensträger in der Region auf, so erneut in Beuren, Bodenrode, Heilbad Heiligenstadt und Uder. 1597 wird ein Ziegenfuß als Bürger der Stadt Duderstadt genannt und 1585-1604 werden "Ziegenfüße" im nahegelegenen Goslar urkundlich erwähnt.
Die älteste bisher bekannte Nennung des Namens in der originalen Schreibweise erfolgte 1470 im Kataster der nahegelegenen Stadt Mühlhausen. Noch älter ist die Erwähnung eines Tyl von Cigenfus in einer Urkunde von Dittersdorf aus dem Jahre 1321, als dieser den Ort von seinem Freund Boreš III. (Besitzer der Herrschaft Mährisch Trübau) geschenkt bekam. [4]

Linien Edit

Bisher sind folgende Ziegenfuß-Linien bekannt:

Eichsfelder Linie Edit

Sie lässt sich auf einen Hans Hildebrand Ziegenfuß zurückführen, der um 1650 im Obereichsfeld lebte. Seine Nachkommen leb(t)en vor allem in den Orten Silberhausen, Helmsdorf, Dingelstädt und Kallmerode. Etliche Personen wanderten um 1850 in die USA aus, vor allem in den Mittleren Westen und nach Kalifornien. Heute sind mehr als 33.000 Nachfahren bekannt, die vor allem in Deutschland und in den USA anzutreffen sind.

Das Ergebnis der Forschung in dieser Linie in Form eines detaillierten Nachfahrenberichts kann auch als E-Book bei Amazon für 2,68 EURO heruntergeladen werden (Stand Dezember 2011). Eine kostenfreie Verbreitung über Amazon ist leider nicht möglich.

Für Reader wie den Tolino wurde eine 2. Auflage (Stand Oktober 2014) veröffentlicht, die über alle großen Online-Buchhandlungen bezogen werden kann (iTunes, Weltbild, Google Books, Hugendubel, Amazon, etc.)

Odenwald-Linie Edit

Diese Linie hat sich während des Dreißgjährigen Kriegs im Odenwald (vor allem Raidelbach, Gadernheim und Beedenkirchen, heute Ortsteile von Lautertal (Odenwald)) niedergelassen. Der Ahnherr dieser Linie stammte aus dem eichsfeldischen Ort Wingerode. Die Verbindung zur Eichsfelder Linie lässt sich jedoch nicht mehr anhand von Kirchenbüchern rekonstruieren. Bereits um 1750 emigrierten einige Familien dieser Linie nach Nordamerika und ließen sich vor allem im östlichen Pennsylvania nieder. Die o.g. abweichenden Schreibweisen (Zickefoose, Sigafoes, Sickafaus, Zeigenfuse usw.) werden fast ausnahmslos von Mitgliedern der Odenwald-Linie getragen. Im 18. Jahrhundert wurde der Name im Odenwald auch Zehfuß geschrieben. Später änderten die meisten Linien die Schreibweise wieder in Ziegenfuß, aber auch die Schreibweise Zehfuß ist bis heute gebräuchlich. Der amerikanische Teil der Linie ist zum Teil gut erforscht und umfasst mehr als 4.000 Personen, die hauptsächlich im Nordosten der USA leben. Umfangreiche genealogische Forschungen zu dieser Linie wurden durch Robert Ziegenfuss in den 1930er Jahren durchgeführt und im Deutschen Geschlechterbuch[5] publiziert.

Ulli Ziegenfuß aus dieser Linie hat für sich im Jahr 2007 ein Wappen gestiftet.

Ruhrgebiet-LinieEdit

Um 1850 wanderte ein Ziegenfuß aus dem eichsfeldischen Ort Ecklingerode nach Castrop-Rauxel aus. Zwei Söhne von ihm emigrierten wiederum in die USA und nach Australien. Viele 'Ziegenfüße' im Ruhrgebiet lassen sich dieser Linie zuordnen. Auch der in den 1980er Jahren im Rahmen des Konkurses der AG Weser deutschlandweit bekanntgewordene Betriebsratschef Hans Ziegenfuß gehört dieser Linie an. Eine Verbindung zur Eichsfelder Linie ist sehr wahrscheinlich. Bisher konnte sie noch nicht bestätigt werden.

Norddeutsche LinieEdit

Im Gebiet der Lüneburger Heide lassen sich seit ca. 1750 Personen mit dem Namen Ziegenfuß nachweisen. Diese Linie wurde bisher nur teilweise erforscht. Die genealogischen Recherchen von Robert Ziegenfuss aus der Odenwald-Linie in den 1930er Jahren haben ergeben, dass Verbindungen zum Eichsfeld existieren sollen. Bisher konnten diese noch nicht verifiziert werden. Ein großer Familienzweig, der vor allem in Texas ansässig ist, und dessen Vorfahren aus Genthin kommen, könnte ebenfalls zu dieser Linie gehören.

Sächsische LinieEdit

In der Nähe von Bautzen und Dresden lassen sich bereits vor 1700 vereinzelt Personen mit dem Namen nachweisen. Genauere Informationen zur Herkunft sind derzeit nicht vorhanden. Eventuell bestehen von hier aus Verbindungen zum Rittergut in Cygusy und zu Tyl von Cigenfus.

Noch im Zeitraum 1830-1870 gab es in Theeschütz zumindest eine Person mit dem Namen Ziegenfuß.[6] Zwischen 1851 und 1863 pachtete ein August Ziegenfuß das Rittergut Hopfgarten bei Lausick für 1700 Reichsthaler jährlich.[7]


Böhmische LinieEdit

Im 17. Jahrhundert war ein Ziegenfuss vom Eichsfeld als Soldat der Österreichisch-Ungarischen Armee in Böhmen stationiert. Er heiratete und starbt dort . Seine Nachfahren leben noch heute in Böhmen. Einige von ihnen sind auch nach Österreich und Argentinien gegangen. Er kam ursprünglich aus Beuren. Die Verbindung zur Eichsfelder Linie sind unklar, da der gemeinsame Vorfahr noch vor Beginn der Kirchenbücher lebte. In dieser Linie sind rund 400 Personen bekannt. Aufgrund von DNA-Tests ist auch für diese Linie eine biologische Verwandtschaft mit der Eichsfelder Linie gesichert.


Sonstige FundeEdit

Bereits um 1640 taucht der Name in Goslar auf. Im Jahr 1730 heiratet ein Ziegenfuß aus Harzungen in Sundhausen und begründet dort eine Linie, die erst 1937 im Mannesstamm ausstarb. Aufgrund der Nähe zum Eichsfeld scheint eine genealogische Verbindung zur Eichsfelder Linie sehr wahrscheinlich[8].

Gemeinsamer Spitzenahn Edit

Mit Hilfe mehrerer yDNA37-Tests, die durch die Firma Familytreedna.com durchgeführt wurden, konnte festgestellt werden, dass die Eichsfelder, Odenwald-, Böhmische und Norddeutsche Linie sich auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführen lassen. Aus allen Linie wurden mindestens 2 Personen getestet, wobei zwischen den Testpersonen ein möglichst weitläufige Verwandtschaft gewählt wurde. Zumindest für die Ruhrgebiet-Linie werden solche Tests ebenfalls angestrebt, da in dieser Linie noch lebende Personen bekannt sind. Ob von der sächsischen Linie noch heute Nachkommen existieren, ist derzeit unbekannt.

Die Testergebnisse erhärten die Vermutung, dass alle Namensträger auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgeführt werden können. Für drei Hauptlinien, die zur Zeit zusammen mehr als 35.000 Personen umfassen, ist die biologische Abstammung von einem gemeinsamen Vorfahren damit gesichert nachgewiesen worden.

FamilyTreeDNA bietet auf seiner Webseite weitergehende Informationen an. So kann dort anhand eines statistischen Modells der Zeitraum ermittelt werden, in dem wahrscheinlich der "erste" Ziegenfuß der drei untersuchten Linien gelebt hat. Mit einer Wahrscheinlichkeit von größer 85% haben sich die Linien vor ca. 13 Generationen verzweigt (+-100 Jahre). Da die Linien bereits 12 Generationen zurück anhand der Kirchenbücher erforscht sind, könnte vielleicht in naher Zukunft die Identität des gemeinsamen Vorfahren gelüftet und alle Linien miteinander verknüpft werden.

Bekannte Namensträger Edit

Eine Auflistung von mehr oder weniger bekannten Personen mit dem Namen Ziegenfuß findet sich hier.

Weblinks Edit

Einzelnachweise Edit

  1. SWR1 Namenforscher
  2. SWR-Mitschnitt
  3. [Mail an Marco Born vom 09.09.2011]
  4. Dětřichov_u_Moravské_Třebové
  5. Deutsches Geschlechterbuch Bd. 98, 1930 = Hessisches Geschlechterbuch Bd. 11, S. 689-735
  6. Sächsische Gesuchte und Verbrechensopfer 1830-1870
  7. Beständeübersicht des Sächsischen Staatsarchivs
  8. Zufallsfunde


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